Buchrezensionen

Das Kind in dir muss Heimat finden

Stefanie Stahl

ISBN: 978-3-424-63107-4

Rezensiert von Ivonne Bösche,
MA des Fachzentrums für Pflegekinderwesen

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Stefanie Stahl ist eine Dipl.-Psychologin und Psychotherapeutin.

Sie beschäftigt sich vor allem mit den Themen: Bindungsangst, Stärkung des Selbstwertgefühls und Arbeit mit dem inneren Kind.

Gerade für Pflegekinder und dessen Pflegeeltern kann dieses Buch unterstützend, wenn nicht gar heilend sein.

Sie geht davon aus das jeder in sich das kleine Kind trägt, das es einst gewesen ist, mit all seinen Prägungen, die es von den Bezugspersonen erhalten hat. Insbesondere die Kränkungen und Verletzungen verankern sich tief im Unterbewusstsein und hindern uns als Erwachsene daran, unser volles Potenzial zu leben.

Das Kind in uns muss Heimat finden, meint die Psychotherapeutin Stefanie Stahl. Denn wer keine innere Heimat hat, kann sie auch im Außen nicht finden. Mit ihrem umfassenden Praxisprogramm können wir das innere Kind nicht nur mit seinen Schatten, sondern auch als positives „Sonnenkind“ kennenlernen. Zahlreiche Übungen helfen dabei, alte Muster zu erkennen und abzulegen, die uns immer wieder in Sackgassen führen. Schritt für Schritt finden wir zu neuen hilfreichen Einstellungen und Verhaltensweisen, besseren Beziehungen und einem glücklichen Lebensgefühl.

Jedes Kapitel arbeitet sich mit einer Übung ein Stückchen näher an das „Sonnenkind“ heran und lässt das „Schattenkind“ zunehmend verblassen.

Sie als Pflegeeltern können mit dem Buch als Leitfaden an den schweren Glaubenssätzen ihrer Pflegekinder arbeiten und so ihrem Pflegekind ein Stückchen Urvertrauen zurückgeben.

Nestwärme, die Flügel verleiht

Stefanie Stahl, Julia Tomschat

ISBN: 978-3-8338-6725-5

Rezensiert von Ivonne Bösche,
MA des Fachzentrums für Pflegekinderwesen

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Stefanie Stahl ist eine Dipl.-Psychologin und Psychotherapeutin.

Sie beschäftigt sich vor allem mit den Themen: Bindungsangst, Stärkung des Selbstwertgefühls und Arbeit mit dem inneren Kind.

Julia Tomschat ist eine Dipl.-Psychologin und Heilpraktikerin für Psychotherapie.

Sie arbeitet als Trainerin und Gesundheitspsychologin in den Bereichen betriebliches Gesundheitsmanagement, Teamentwicklung, Selbstmanagement und Persönlichkeitsentwicklung.

Als ich das Buch entdeckte war ich sehr neugierig. Auf dem Cover der Leitsatz „Halt geben und Freiheit schenken, wie wir erziehen ohne zu erziehen“

Wie kann das funktionieren?

Gerade bei Pflegekindern mit ihrem oft sehr schweren Gepäck, welches sie mitbringen, an Erfahrungen, Prägungen und Glaubenssätzen.

Halt geben und beschützen möchte man sie. Diese oft tief verletzten Seelen, damit ihnen nicht noch mehr Leid widerfährt.

Mit dem Buch geben uns die Autorinnen Wissen um die eigene Erziehung und Prägung zu verstehen und um daraus Erkenntnis zu erlangen, warum wir manchmal wie handeln. Kapitel für Kapitel wird Wissen leicht verständlich dargeboten und anschließend gibt es eine Reflektionsinsel um das Wissen auf sich anzuwenden und dadurch verstehen zu können. Aus diesem Verständnis heraus, kann man auch die Pflegekinder und ihr Verhalten aus einem anderen Blickwinkel sehen und ihr Verhalten respektieren und akzeptieren.

Oder mit den Worten von Stefanie Stahl:

„Wenn es uns gelingt die falschen Überzeugungen zu erkennen, mit denen wir uns selbst und unsere Beziehungen belasten, dann können wir sie abstreifen und den Weg für ein friedvolles Miteinander ebnen. Besonders gilt dies auch für die Beziehung zu unseren Kindern“

Wie Kinder und Jugendliche traumatische Erlebnisse überwinden können

Peter A. Levine, Maggie Kline

ISBN: 9783466306848
Verlag: Kösel

Rezensiert von Andrea Meng,
MA des Fachzentrums für Pflegekinderwesen

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Im I Teil: Trauma verstehen, wird auch anhand von Fallbeispielen die Bedeutung des Begriffs Trauma erklärt. Sehr umfänglich werden Symptome und Anzeichen von Trauma bei Kindern unterschiedlichen Alters und Jugendlichen beschrieben.

Im Teil II: Kindheitstrauma vermeiden, bekommt der Leser Tipps und Anleitungen auf welche Art und Weise er ein Kind nach traumatisierenden Erfahrungen unmittelbar begleiten und bei der Verarbeitung unterstützen kann.

Teil III: Leitfaden für häufig auftretende Situationen wie Erste Hilfe nach Unfällen und Stürzen, Scheidung, Tod, Trennung, und die Wunde des sexuellen Traumas mit vielen Tipps und Anleitungen zur praktischen Umsetzung.

Teil IV: Trauma und Gesundheitswesen mit Anregungen zum Umgang mit Kindern und Jugendlichen in Vorbereitung von Operationen oder ande-rer medizinischer Eingriffe, sensibler Umgang mit Schmerzen bei Kindern und Jugendlichen und einer Vision einer alternativen und integrativen Medizin für das 21. Jahrhundert.

In allen Teilen des Buches gibt es strukturierte und klare Handlungsanleitungen und Fragetechniken zur Bearbeitung der speziellen Themen, die mit Fallbeispielen beschrieben werden. Dies ermöglicht es Eltern wie auch Fachkräften, Handlungsstrategien im Umgang mit traumatisierten Kindern und Jugendlichen zu entwickeln. Wie aber auch von den Autoren mehrfach erwähnt ersetzt das Lesen dieses Buches keine Therapeutische Begleitung von Traumatisierten durch erfahrene Trauma Therapeuten.

Das Buch „Verwundete Kinderseelen heilen“ ist ein Buch, was etwas Zeit erfordert, um die einzelnen Handlungsstrategien zu verstehen und zu verinnerlichen. Auch die Übungsanleitungen zur Entwicklung einen ruhigen Präsenz um emotionale 1. Hilfe leisten oder ein gutes Pflaster nach traumatischen Erfahrungen von Kindern und Jugendlichen sein zu können setzt eine Bereitschaft zum Üben der beschriebenen Möglichkeiten voraus.

Das Gedächtnis des Körpers

Joachim Bauer

ISBN: 9783492241793
Verlag: Piper

Rezensiert von C. Kühnelt,
MA des Fachzentrums für Pflegekinderwesen

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Eines der großartigsten Bücher,
die ich in den letzten Jahren gelesen habe!

Joachim Bauer, Internist Psychiater und psychosomatischer Mediziner aus Tübingen, war bis zu seiner Emeritierung 2017 als Oberarzt in der Ambulanz der Abteilung Psychosomatische Medizin der Universitätsklinik in Freiberg tätig. Heute ist weiterhin als Gastprofessor an der International Psychoanalytic University Berlin und praktizierender Arzt.

Ich bin auf das Buch gestoßen, da ich vom Autor einige interessante Beiträge über Epigenetik gelesen habe und mehr darüber erfahren wollte.

Joachim Bauer beschreibt verständlich, wie Gene auf Stress und Umwelteinflüsse reagieren. Die Ausführungen lassen uns psychische Erkrankungen wie Depressionen, posttraumatische Belastungsstörungen oder Borderline – Störung neu verstehen. Er erklärt wie schwerwiegend traumatische Erlebnisse, externer Stress und vor allem Gewalt- und Missbrauchserfahrungen für den Menschen und seine Seele sind und welche biologischen Spuren diese Erfahrungen, bis hin zur Veränderung der Genaktivität, hinterlassen können. Er nimmt uns mit auf eine biochemische und neurobiologische Exkursion und zeigt uns die dramatische Auswirkung der Umwelteinflüsse auf den Körper und die Gene. Dennoch lässt er hoffen, dass im Gegenzug ein späteres gesundes Umfeld und die „richtigen“ Bezugspersonen heilsam für die Seele und sogar die hinterlassenen, biologischen Spuren löschen können.

Bauer kritisiert den Umgang mit Psychopharmaka, denn auch diese können Spuren im Gehirn hinterlassen. Er weist darauf hin, dass es eine individuelle Verträglichkeit von Medikamenten gibt und gerade bei Psychopharmaka auf die individuelle Dosierung geachtet werden muss. Er stellt die Notwendigkeit einer Verträglichkeitsdiagnostik heraus, die nach wie vor in Deutschland nicht von den Krankenhäusern bezahlt wird.

Fazit, dieses Buch ist äußerst lesenswert!

Buntschatten und Fledermäuse

Axel Brauns

ISBN: 9783442152445
Verlag: Goldmann

Rezensiert von Ivonne Bösche,
MA des Fachzentrums für Pflegekinderwesen

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„Das Leben im Autismus ist eine miserable Vorbereitung für das Leben in einer Welt ohne Autismus.“ – sagt Axel Brauns.

Mit einer tiefgründigen Leichtigkeit beschreibt der Autor sein Leben mit Autismus und entführt den Leser in seine Welt.
Dort gibt es freundliche Buntschatten und unverständliche und anstrengende Fledermäuse.

Axel Braun ist ein Autist mit Asberger Syndrom, der sein Leben in einer nichtautistischen Welt beschreibt. Der Autor gibt uns einen Einblick in seine Lebens- und Gefühlswelt, die den meisten Menschen unbekannt ist. In dem Buch gibt er uns die Möglichkeit in seinen Kopf zu tauchen und die Welt aus seiner Sicht zu sehen.

Gesichter verschwimmen und Sprache ist nicht mehr als ein Geräusch, allerdings machen Zahlen und Straßenschilder wahre Freude. Sie sind verlässlich und konstant.

Und immer wiederkehrende Abläufe schaffen Zufriedenheit.
Mit diesem Buch gibt uns der Autor seine Biografie an die Hand, die ein besseres Verständnis für Menschen mit Autismus schaffen kann.

Neuromotorisch Fit – Kindernöte: Verblüffend einfache Hilfen aus der osteopathischen Praxis

Karin Ritter

ISBN: 9783432105543
Verlag: Trias

Rezensiert von Uta Rinne,
MA des Fachzentrums für Pflegekinderwesen

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Teppichturner aufgepasst!!!
Dieses Buch werden Sie lieben.

Es basiert auf heilpraktischem und osteopathischem Wissen und auf Ihrer Beobachtungsgabe. Frau Ritter lässt Sie Ihre Kinder und deren Verhalten mit den täglichen Bewegungsmustern verstehen und zeigt anhand von einfachen Übungen, wie sich Kinder in der Bewegung und damit in deren Entwicklung verbessern können.

Schon nach den ersten 15 Seiten haben Sie einen guten und ausreichenden Einblick und können sich selbst die vielen „Warum“ beantworten. Sie lernen, wie sich ein Kind bewegen sollte und haben präzise Einblicke in die Entwicklungsstufen der menschlichen Bewegung.

Besonders hervorzuheben ist das Kapitel 2 über die 9 Kinderpersönlichkeiten. Frau Ritter beschreibt Charaktere und Verhaltensweisen und bündelt sie sehr übersichtlich. Hier finden Sie garantiert und schnell die Ihnen bekannten und auffälligen Verhaltensweisen und bekommen klare Hilfen aufgezeigt.

In den folgenden Kapiteln setzen Sie nun das theoretische Wissen in die Praxis um. Sie erlernen nun Basisübungen, die zum Charakter und den wenig oder stark ausgebildeten Reflexen passen. Sie können Zusammenhänge zwischen Körperhaltungen und kleinen und großen Wehwehchen erkennen und regulieren. Mit sehr guten und praxisnahen Erklärungen können Sie die Übungen schnell anwenden.

Schlussendlich haben Sie mit diesem Buch einen täglichen Ratgeber für alle kleinen und größeren Zappelphillip‘s, Schlechtschläfer, Grobmotoriker, Stirnfalter, Lispler, Dauerschnupfler, Stolperer, Verweigerer, Überflieger, Spitzentänzer und Mundatmer.

Dieses Buch ist eine gute Anleitung zur Hilfe und Selbsthilfe und absolut alltagstauglich.

Leitwölfe sein

Jesper Juul

ISBN: 978-3407865038
Verlag: Beltz

Rezensiert von Uta Rinne,
MA des Fachzentrums für Pflegekinderwesen

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Durchaus wissenschaftlich, aber dennoch kurzweilig und sehr gut verständlich schreibt Jesper Juul über seine Arbeit mit Kindern und Familien. Die klare Struktur des Buches macht sich schon im Inhaltsverzeichnis bemerkbar. Die behandelten Themen sind klar in den Kapitelüberschriften wiedergegeben und selbsterklärend beschrieben, so dass Sie sich zu nur einem Teilthema kurz belesen können. Aber Sie werden Lust bekommen das gesamte Buch zu lesen, denn es eröffnet Ihnen unglaublich viele Sichtweisen und lässt Sie auch Reisen in Ihre eigene Kindheit unternehmen. Denn wenn Sie besser verstehen, wie Sie erzogen wurden und aufgewachsen sind, dann werden Ihnen Ihre eigenen Muster und Verhaltensweisen bewusst. Lassen Sie sich einladen auf eine kleine Reise zu sich selbst und gehen Sie den Weg mit viel Selbstvertrauen und gelebter Authentizität. Wer empathisch und liebevoll konsequent seine Kinder an die Hand nimmt, kann nur gewinnen.

Jesper Juul nimmt seine Leser in diesem Buch sehr ernst und beantwortet die Fragen aus dem Alltag verständlich. Er erklärt wie psychologische Abläufe bei alltäglichen Stresssituationen funktionieren und wie man ihnen begegnen kann, um die Führung nicht zu verlieren. Führung ist wichtig. Gerade Kinder brauchen Führung, denn sie haben noch nicht viel Erfahrung. Sie lernen aus dem Zusammenspiel von Aktion und Reaktion. Sie wissen zwar, wozu sie Lust haben und was ihnen im Moment guttut, doch damit können sie später nicht ihre Ziele visionieren und verfolgen.

LUST contra WILLE. Dabei spricht Juul nicht von Macht und Machtausübung, sondern von Empathie, ohne sich selbst dabei zu vergessen. Gerade beim Bild der Leitwölfin, der Mutter, die über Jahrhunderte hinweg in patriarchisch konformen Erwartungen ihre Kinder selbstaufopfernd erzogen hat, lenkt er ein und fordert klare Aussagen an die Gesellschaft für die Kinder. Schluss mit der gesellschaftlich aufgezwungenen devoten Weiblichkeit! Her mit dem Respekt, den alle Menschen verdienen!

Liebe darf nicht aufopfernd sein. Denn wenn wir uns vergessen, können wir nicht führen, unseren Kindern nicht adäquat und sinnvoll den Weg zeigen. Denn die Kinder fragen, in jeder Minute ihres Seins nach dem Weg des Lebens, in Worten und Aktionen. Sie müssen Re-Aktionen erfahren um Lernen zu können, um sich ein eigenes Bild von Gesellschaft und Leben machen zu können. Wir brauchen kompetent liebende Menschen, die Verantwortung für sich selbst und schlussendlich auch für ihre eigenen Kinder und die gesamte Gesellschaft entwickeln. Wir brauchen starke (innere) Kinder, die ohne Zwang mit anderen Menschen leben und umgehen, ihre Meinung vertreten und selbstbewusst in die Welt hinausgehen können. Wir alle sind würdig, individuell für uns selbst entscheiden, lieben und leben zu dürfen.

Zeig, was du kannst

Anne Söller

ISBN: 978-3790509458
Verlag: Richard-Pflaum-Verlag GmbH & Co.KG

Rezensiert von Uta Rinne,
MA des Fachzentrums für Pflegekinderwesen

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Die Behandlung von Säuglingen und Kindern nach dem Bobath-Konzept

Ein Ratgeber für Eltern, Therapeuten und Erzieher

Dieses Buch holt weit aus auf seinen 330 Seiten. Es beinhaltet recht viele medizinische Fachbegriffe und ist gerade wegen des ganzheitlichen Ansatzes des Bobath-Konzepts recht umfangreich. Es ist aber dennoch kein striktes Lehrwerk, sondern lädt auch zum Aussuchen einzelner Kapitel ein, um einen kleinen Überblick einzelner Methoden und Übungen zu bekommen.

Aber KEINE ANGST. Anne Söller spricht nicht nur Therapeuten und Ärzte an, sondern insbesondere Sie als Eltern und Ihre Kinder.
Viele Übungen werden medizinisch fundiert erklärt und in Form von Fotos unterstrichen.

Dank dieses gut und leicht verständlich geschriebenen Basiswissens, können auch Sie als Laien schnell gute Erfolge erzielen und die beschriebenen Übungen sicher anwenden. Sie werden sehr rasch ein Gefühl dafür bekommen, was ihren Kindern guttut und wissen schließlich, warum sich Fortschritte einstellen. Somit lernen auch Sie als Eltern viel über die körperlichen Gegebenheiten ihrer eventuell geschädigten Kinder kennen und können mit Ihrem neu erlangten Wissen selbst zu Hause tätig werden.

Durch alle Kapitel ziehen sich die Fallbeispiele anhand von Bildern und Bilderserien, die auch größere Zeiträume und Fortschritte beschreiben. Somit bekommen Sie ein gutes Know- How und lernen selbst schnell. Schon beim Betrachten der Bilder, wissen Sie, was Frau Söller meint und Ihnen zeigen will. Es lässt sich fantastisch danach üben.

Mit diesem Buch lernen Sie Geduld und den Blick für kleine Fortschritte. Immer wieder beschreibt Frau Söller den möglichen Werdegang eines zu erreichenden Ziels mit kleinen täglichen Übungen, die Routine schaffen. Sie können viele aufgezeigte Übungen, kleine Tipps und Kniffe in den Alltag einbauen und in Rituale integrieren, so dass auch „übungsmuffelige Kinder“ fortschreitend lernen, ohne üben zu müssen.

Dieses Buch ist absolut alltagsorientiert!

Willi und sein Wüterich

Eva Orinsky

ISBN: 978-3894033736
Verlag: iskopress

Rezensiert von Andrea Meng,
MA des Fachzentrums für Pflegekinderwesen

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In meinem beruflichen Alltag, wie auch im privaten Leben, begegnen mir oft verzweifelte Eltern, Lehrer oder Erzieherinnen, die mit wütenden, aggressiven und wilden Kindern an ihre Grenzen kommen. Kinder werden als Tyrannen wahrgenommen und als nicht tragbar beschrieben. Auch ich selbst kenne dieses hilflose Gefühl, vermeintlich unmöglichen Verhaltensweisen von Kindern ausgeliefert zu sein.

Oft frage ich mich, was ist bei Michel aus Lönneberga anders. Weshalb können wir über seine Streiche schmunzeln und empfinden ihn als niedlichen, aufgeweckten Kerl. Seinen Vater hingegen empfinden wir als streng und unnachgiebig und die Mutter wirkt teilweise hilflos. Ist es, weil wir nicht involviert sind und uns die Geschichten nicht persönlich betreffen? Eigentlich sind doch die Kinder, mit denen wir unser Leben verbringen auf die eine oder andere Art auch kleine oder große Michels.

Das Buch „Willi und sein Wüterich“ ist ein Buch, was Eltern, Lehrer, Erzieherinnen und auch Therapeuten eine Geschichte – liebevoll illustriert und geschrieben – an die Hand gibt, um mit Kindern über ihr Gefühl von Wut zu sprechen. Es zeigt den Kindern einen Weg auf, mit dieser Emotion in Kontakt zu kommen und dadurch selbständig aktiv Möglichkeiten zur Regulation zu finden.

Das Vorwort von Richard C. Schwartz, Begründer der ISF- Methode (Therapie der Inneren Familie) sowohl auch das Nachwort der Autorin Eva Orinsky, Lehrtherapeutin für Systemische Therapie, ist sehr informativ und gibt dem Leser Impulse, das betreffende Kind mit anderen Augen zu betrachten. Genauer hinzusehen und versuchen zu verstehen, wie es dem Kind wirklich mit seinen Verhalten geht.

Aus meiner Sicht kann dieses Buch sehr unterstützend für Erwachsene sein, die mit impulsiven Kindern zu tun haben. Es kann inspirieren, die Sichtweise auf die auf uns schwierig wirkenden Situationen zu verändern, unsere Wahrnehmung auf die Not und das Dilemma der agierenden Kinder zu sensibilisieren und die Sichtweise auf das Kind zu verändern. Vielleich gelingt es ja, dass ein oder andere Mal mit einem Schmunzeln zu reagieren, wie beim Lesen der Geschichten von Michel aus Lönneberga und damit dem Kind eine Brücke zu schlagen, aus seinen wütenden Reaktionsmustern herauszufinden, hin zu einem Verhalten angemessen mit seiner Wut umzugehen.

Wurzeln schlagen

Allan Jankins

ISBN: 978-3498032265
Verlag: Rowohlt Verlag

Rezensiert von Andrea Meng,
MA des Fachzentrums für Pflegekinderwesen

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Als ich das Buch das erste Mal in der Hand hielt, war ich von der Gestaltung des Einbandes beeindruckt. Kapuzinerkresse, fühlbar, in ihrer wilden Schönheit und Robustheit auf dem Cover. Ich fühlte mich eingeladen und verspürte Neugier, teilzuhaben an der Suche nach Wurzeln.

Allan Jankins, nach seiner Geburt im Waisenhaus untergebracht und dann in eine Pflegefamilie vermittelt, beginnt im Alter von 60 Jahren, wie er es selbst schreibt, „vor seinem eigenen Ende seinen Anfang zu entwirren“.

Er beschreibt in seinem Buch, wie er mit Hilfe seiner „Seelenärztin“, so nennt er seine Therapeutin, sich Themen
annähert, die für ihn sehr schmerzhaft und bedrohlich sind und wie ihm die Arbeit in seinen verschiedenen Gärten bei der Verarbeitung und Heilung der tiefsitzenden seelischen Verletzungen hilft.

Er schreibt zum Beispiel: „Die Leute reden immer wieder vom inneren Kind, als wäre das ein glucksender Hosenmatz, als sprächen sie von der heilen Welt von Narnia. Aber was, wenn dieses innere Kind ein verängstigtes Wesen ist, das unbedingt ausbrechen will? Manchmal verschlingt mich seine Wut. Ich wüte mit seiner Stimme wie in Der Exorzist. Ich lerne (hoffentlich) allmählich, die Signale zu erkennen und mich rechtzeitig zu bremsen, bevor ich eine Freundschaft ruiniere, et-was Unsagbares sage. Die Gartenarbeit wickelt meinen verängstigten Jungen ein und packt ihn in ein Körbchen, setzt ihn in die Sonne und wiegt ihn im Amselgesang, ein besänftigendes Kindermädchen der Natur.“

Beim Lesen des Buches viel es mir zu Beginn schwer, mit den Zeitsprüngen und den vielen Auftretenden, nicht den Faden zu verlieren. Doch fesselte mich immer wieder die ehrliche und emotionale Darstellung der Gefühle des Autors auf der Suche nach seinen Wurzeln. Auch lassen die Beschreibungen der Aktivitäten in den verschieden Gärten Aspekte seiner Persönlichkeit vermuten. Dies gibt dem Leser Raum für persönliche Interpretationen.

Empfehlen, dieses Buch zu lesen, würde ich jedem, der einen Eindruck gewinnen möchte, wie tiefgreifend und erschütternd die Auseinandersetzung mit den eigenen Wurzeln sein kann, wie viel Mut es braucht sich dieser Reise zu stellen und wie wichtig es ist, eine auf diesem Weg erfüllende Aufgabe und einen Rückzugsort zu haben.

Aktiv sein macht klug

Anne Söller

ISBN: 978-3790510126
Verlag: Richard Pflaum Verlag GmbH & Co. K

Rezensiert von Uta Rinne,
MA des Fachzentrums für Pflegekinderwesen

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Ein Handbuch nach dem Bobath Konzept für Eltern, Therapeuten und Pädagogen.

Schon beim Lesen des Inhaltsverzeichnisses wird klar, dieses Buch ist gut für den Alltag geeignet. Frau Söller geht nach Tagesablauf vor und strukturiert das Buch danach.

Somit erleichtert sie dem Leser ein zielgenaues Nachschlagen auftretender Problematiken.

So sind Sie nach nur 30 Seiten gut erklärter Theorie in den Alltagskapiteln angelangt.

Anne Söller, selbst Bobath-Lehrtherapeutin, beschreibt fachlich korrekt und dennoch gut verständlich das Bobath-Konzept und die dazugehörenden Handlings.

Sie sind tatsächlich sehr gut in den Alltag integrierbar und nicht kompliziert durchzuführen.

Dieses Buch hilft Kindern beim Lernen und Betreuende beim Lehren und Therapieren, die Kinder zu unterstützen und nimmt den Betreuenden gut an die Hand.

Durch die gut verständlichen und authentischen Fallbeispiele aus vielerlei Alltagssituationen, können Sie als Leser/in die komplexen Lernprozesse noch besser verstehen, und ein Herantrauen an die einzelnen Übungen wird dadurch deutlich erleichtert.

Sie werden Fortschritte auf allen Ebenen bemerken. Das Gehirn verknüpft körperliche, geistige, sensorische und emotionale Reize und lernt enorm.

Sie werden sicher von diesem Ratgeber und Alltagsbegleiter profitieren.

Johanns wundersame Abenteuer

Dieter Hess und Günther Struppe

ISBN: 978-3-930845-19-4
Verlag: BS-Verlag Rostock

Rezensiert von Ivonne Bösche,
MA des Fachzentrums für Pflegekinderwesen

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Ein Buch für Kinder

Ich halte dieses Buch für einen guten Begleiter im Alltag mit Pflegekindern und möchte es Ihnen empfehlen. In diesem Buch erleben der verträumte Johann und seine Katze Pauline zauberhafte Abenteuer, die dazu einladen, die Gedanken abschweifen zu lassen in eine märchenhafte Welt außerhalb unserer Vorstellungskraft.

Der verträumte Johann und seine Katze Pauline erleben mehrere Abenteuer, die in einzelnen Kurzgeschichten verschiedene psychologische The-men aufgreifen.

Während die Kinder beim Zuhören oder selbst lesen in die Geschichte eintauchen und sie erleben, werden im Unterbewusstsein Gefühle angespro-chen und auch klar benannt. Im Verlauf der Geschichten werden mögliche Lösungen geboten, so dass Leserinnen oder auch Zuhörerinnen, un-bewusst neues Reaktionsverhalten erlernen können.

In einer Kurzgeschichte erlebt zum Beispiel Johanns Ratzefummel dauerndes Hin- und Hergeschubse und auch Misshandlung, so dass er den Ent-schluss fasst, sich das nicht mehr gefallen zu lassen. Er verbündet sich mit anderen Haushaltsgegenständen, denen es ähnlich ergeht, und gemein-sam schildern sie Johann ihren Standpunkt und machen ihm klar, dass etwas geändert werden müsse.

So geben wir traumatisierten Kindern die Möglichkeit an die Hand, in Aktion zu treten und nicht nur der Umwelt schutzlos ausgeliefert zu sein. Da die Geschichte sehr blumig und fantastisch geschrieben ist, finden diese Veränderungen unmerklich statt.

Eine andere Geschichte erzählt von der alten Ursel, der keiner vertrauen will aufgrund ihres Aussehens und Verhaltens.
Doch Johann traut sich das, was sich bisher niemand getraut hat. Er besucht die alte Ursel um festzustellen, dass sie allen hilft und sich für andere bereit hält und auch ihn freudig bei sich aufnimmt. In dieser Geschichte geht es um Mut und Vertrauen.

Auf diese Art kann man mit Kindern arbeiten, sie offen ansprechen, ohne das eigentliche Thema zu benennen.